„Ich allein kann doch nichts ändern – Soziale Dilemmata im Umweltschutz“

Am kommenden Dienstag freuen wir uns auf Prof. Dr. Martin Beckenkamp!

Sein Vortrag widmet sich den psychologischen Herausforderungen von sozialen Dilemmasituationen beim Umgang mit erhaltenswerten und allgemein verfügbaren Gütern, wie beispielsweise einem intakten Ökosystem:

Der Mensch gefährdet Lebensräume und Lebewesen in bedrohlicher Weise. Nahezu jedes Naturkundemuseum klärt uns darüber auf. Trotzdem nimmt die Zerstörung der Umwelt bedrohliche Ausmaße an  − wider aller moralischen Apelle und allen Wissens. 

Liegt das nur an der schlechten Natur des Menschen? Wohl kaum, denn mit der „Tragödie“ oder dem „Drama“ der Gemeingüter wird auf eine besonders schwierige Anreizstruktur hingewiesen, die den Erfolg individualpsychologischer Ansätze ohne Unterstützung durch strukturelle Veränderungen äußerst zweifelhaft erscheinen lässt. 

Die Nutzung und der Verbrauch von Gemeingütern wie saubere Luft oder intakte Ökosysteme stellt ein soziales Dilemma dar: Sobald ein Mitglied der Gesellschaft versucht, unbegrenzt seinen eigenen Nutzen zu maximieren, gerät das Gemeingut in Gefahr und die gemeinschaftliche Wohlfahrt kann zerstört werden. Der Abweichler freut sich über seinen kurzfristigen Zugewinn, doch dieser ist in der Bilanz meist geringer als der Gesamtverlust für die Gemeinschaft.

Nötig sind also interdisziplinäre Lösungskonzepte: ökonomische Veränderungen von Anreizstrukturen, politikwissenschaftlich fundierte Institutionen mit effizienten Kontrollen und Sanktionen, juristisch handhabbare und stabile Gesetze. Diese müssen so gestaltet sein, dass sie von den Adressaten verstanden und unterstützt werden. Häufig liegt es auch an der mangelnden  Internalisierung extern gesetzter Normen und an der Verletzung subjektiver Freiheits- und Gerechtigkeitsgefühle, dass entsprechende Umgestaltungen nicht  in der gewünschten Weise auswirken. 

Hier liegt eine Chance und Herausforderung für die Psychologie: Die Umweltpsychologie sollte daher nicht nur an Einstellungsänderungen zu Umweltthemen ansetzen, sondern auch an Einstellungen zu Institutionen, welche zur  Verbesserung bzw. Abmilderung der Tragödie der Gemeingüter geschaffen wurden. Das institutionelle Design muss Hand in Hand gehen mit psychologischer Akzeptanz und einer Internalisierung von Normen − eine Aufgabe die ich in Anlehnung an die Software-Ergonomie als „institutionelle Ergonomie“  bezeichne.

Martin Beckenkamp hat am Max Planck Instititute for Research on Collective Goods Bonn intensiv zu sozialen Dilemmata im Umweltschutz geforscht. Seinen Vortrag widmet er der, am 12.06.2012 verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom, die mit ihrer Arbeit das Konzept der Kollektiven Gütern maßgeblich geprägt hat.

 

Wann? Dienstag, 19.06.2012 um 18:30 Uhr

Wo? Kinosaal der HU Berlin (Unter den Linden 6, 10117 Berlin)

 

Damit sich niemand verläuft: Nach dem kurzen Ausflug an die FU beim letzten Mal, findet dieser Vortrag wieder im altbekannten Kinosaal der HU Berlin statt! Ihr seht: Keine Ausreden möglich, wir sehen uns am Dienstag! 😉

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Ein Kommentar zu “„Ich allein kann doch nichts ändern – Soziale Dilemmata im Umweltschutz“

  1. Seufz. Es gibt _keine_ »Tragödie der Gemeingüter«. Auch durch Wiederholung wird die Behauptung von Garret Hardin (»tragedy of the commons«) nicht wahr. Sondern die angebliche »Tragödie« (eigentlich: Tragik) ist eine »Tragik des Niemandslands«. Commons (Gemeingüter) sind nämlich nicht die bloßen Ressourcen (die heißen »common pool resources«), sondern Commons ist der soziale Prozess des verantwortlichen Drumkümmerns. Der Historiker Peter Linebaugh brachte das auf den Satz: »There is no commons without commoning«. Ohne Praxis keine Commons — sondern Niemandsland (»res nullius«). Die »Tragödie der Gemeingüter« ist Ideologie, allerdings zugegeben eine ziemlich wirkmächtige. Sie sollte nicht an einer Uni perpetuiert werden.

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